Mehrwert durch den Wettbewerb

Zu den Großverdienern zählen sie nicht, aber in Sachen Lebenszufriedenheit sind sie an der Spitze: ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wettbewerb „Jugend musiziert“. Das geht aus einer Studie hervor, die Prof. Dr. Heiner Gembris jetzt vorstellte. Er ist Leiter des Instituts für Begabungsforschung in der Musik an der Universität Paderborn und beschäftigt sich seit Jahren mit den Auswirkungen des Muszierens. 

Prof. Gembris stellte die Studie, die in Kooperation mit dem Bayerischen Musikrat und den Landesmusikräten Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland entstand, am 18. September in München vor. Im Auftrag der Landesmusikräte schrieb er mit seinem Team rund 5.400 ehemalige Jugend Musiziert Preisträger an, 807 füllten online Fragebögen aus, die für die Studie ausgewertet wurden. Abgefragt wurde, wie sich die Lebenswege von ehemaligen Teilnehmenden an Landes- und Bundeswettbewerben „Jugend musiziert“ über Jahre und Jahrzehnte entwickelt haben, in welchen beruflichen Bereichen sie heute tätig sind, welche Rolle der Wettbewerb „Jugend musiziert“ für ihren Lebensweg gespielt hat und welchen „Nachklang“ er in ihrem heutigen Leben hat. 

 

„Mit der Studie wurde zum ersten Mal in einem größeren Umfang untersucht, wie sich die Lebenswege von ehemaligen Teilnehmern entwickelt haben und welche Rolle dabei der Wettbewerb für sie gespielt hat“, schildert Gembris. Die Studie ergab, dass etwa die Hälfte der Befragten heute einer beruflichen Tätigkeit mit Musikbezug nachgeht – teils fest angestellt, teils freiberuflich. Von dieser Hälfte arbeiten 40 Prozent freiberuflich als professionelle Musiker. In Orchestern spielen 20 Prozent, einer freiberuflichen musikpädagogischen Tätigkeit gehen 30 Prozent nach. Die andere Hälfte der Befragten, die keinen direkten musikbezogenen Beruf ausübt, arbeitet z. B. in administrativen, sozialen, bildungsbezogenen, medizinischen oder technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen.

„Jugend musiziert“ fördert auch Nachwuchs über die Musik hinaus
Dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ bescheinigen 75 Prozent der Befragten einen durchweg positiven Einfluss auf ihre musikalische Entwicklung. Lediglich 3 Prozent berichteten über negative Erlebnisse. „Insbesondere diejenigen, die Musikberufe ergriffen oder am Bundeswettbewerb teilgenommen haben, oder sogar beides, schreiben dem Wettbewerb eine hohe Bedeutung für ihre berufliche Laufbahn zu“, erklärt Gembris. Vor allem der Erwerb von Soft Skills, wie etwa Erfahrungen durch Auftritts-, Wettbewerbs- und Prüfungstraining, genauso wie der Erwerb von Disziplin und Durchhaltevermögen, sei von den Befragten positiv hervorgehoben worden, so der Wissenschaftler. 

Die Studie belegt, dass der Wettbewerb weit über den musikalischen Bereich hinauswirkt, wie Gembris feststellt: „Insgesamt zeigt sich, dass „Jugend musiziert“ nicht nur den musikalischen Nachwuchs fördert, sondern auch hochqualifizierte Kulturträgerinnen und Kulturträger sowie Multiplikatoren in außermusikalischen Berufen. Mit einem hohen Maß an musikkultureller Verantwortung für künftige Generationen wirken sie gestalterisch auf das Musikleben in Gesellschaft und Familie ein und nehmen damit Einfluss auf die generationsübergreifende Tradierung und Weiterentwicklung der Musikkultur.“ 

Musik spielt im Leben weiter eine wichtige Rolle
Weiterhin zeigt sich: Auch für jene ehemaligen Wettbewerbsteilnehmer, die heute keinen Musikberuf ausüben, bleibt Musik bedeutsam. Gembris: „Mehr als ein Drittel von ihnen musiziert regelmäßig in der Woche oder sogar täglich.“ Grundsätzlich sei Musik bei fast allen Befragten in der Familie verankert: „Bei 95 Prozent spielt die musikalische Erziehung der Kinder eine wichtige Rolle. Die Studie zeigt, dass es bei vielen ehemaligen Wettbewerbsteilnehmern ein hohes Bedürfnis nach Kulturtransfer an nachfolgende Generationen gibt“, erläutert der Musikforscher. 

Erste Ergebnisse zum Nachlesen: Die Präsentation von Prof. Dr. Heiner Gembris zur Pressekonferenz
 

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